Physician Assistants: Helfende Hände gegen Überlastung und Ärztemangel

Ärzt:innen sind rar und teuer. Physician Assistants sollen sie von etlichen delegierbaren Aufgaben entlasten. Noch ist die Berufsgruppe klein, doch sie wächst – und mancherorts ist sie längst unentbehrlich geworden. Was jedoch fehlt, sind einheitliche Standards in Ausbildung und Tätigkeitsrahmen.

Abkehr und Delegation von ärztlichen Aufgaben

„Etwas in mir ist zerbrochen“, lautete kürzlich die Überschrift eines Medscape-Artikels. Es ging um engagierte Ärzt:innen, die der Medizin den Rücken kehren – und die Frage nach dem Warum. Zwar wurde hauptsächlich die Situation in den USA beleuchtet, doch auch in Deutschland ist das Problem nicht ganz unbekannt. Die Statistiken der Bundesärztekammer zeigen, dass hierzulande schätzungsweise 33.000 bis 37.000 approbierte Ärzt:innen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland gar nicht ärztlich tätig sind. Sie machen also irgendetwas anderes, das ihnen offenbar mehr Spaß, weniger Ärger und unter Umständen sogar mehr Geld am Monatsende bringt. Die Ursachen für die Abkehr vom ärztlichen Traumberuf sind mit Sicherheit vielfältig. Überlastung und Bürokratie spielen jedoch eine maßgebliche Rolle.

Während es bei der Entbürokratisierung keinerlei Fortschritte gibt, Ärzt:innen vor allem in ländlichen Regionen immer knapper werden und radikale Einsparungen im Gesundheitswesen anstehen, rückt ein seit Jahren vor und zurück diskutiertes Thema wieder stärker ins Rampenlicht: die Delegation von ärztlichen Aufgaben an spezialisierte Fachkräfte. Heute ist es selbstverständlich, dass Medizinische Fachangestellte (MFA), Nicht-ärztliche Praxisassistent:innen (NäPA), und Versorgungsassistent:innen (VERAH) Tätigkeiten übernehmen, die früher Ärzt:innen durchgeführt haben: Impfen, Blutdruck messen, Spritzen geben und so weiter.

Die Verantwortung liegt stets bei der Ärztin oder dem Arzt

Dass Physician Assistants den Ärzt:innen noch mehr Aufgaben abnehmen dürfen und dass es diesen Studiengang seit 2005 in Deutschland gibt, ist dagegen noch nicht so bekannt. Dabei wäre es aus Sicht vieler Ärzt:innen enorm entlastend, wenn ihnen jemand Hand in Hand zuarbeiten und Aufgaben abnehmen könnte: von der Dokumentation und Verwaltung, über die Diagnostik und Therapieplanung bis hin zur Assistenz bei Operationen. Genau das tun Physician Assistants. Die Verantwortung für die Patient:innen liegt am Ende aber stets bei den Ärzt:innen. Der Beruf darf und kann die Grenzen der Assistenz nicht überschreiten. Das ist auch haftungsrechtlich relevant. 

Physician Assistant heißt übersetzt Arztassistent. Da der deutsche Begriff Assistenzarzt sehr ähnlich klingt und das Berufsbild ohnehin aus dem angloamerikanischen Raum stammt, wurde die englische Variante übernommen. Vielleicht klingt sie auch etwas schicker in den Ohren der jungen Generation, die man für diesen akademischen Beruf begeistern möchte. Denn in der Regel sind es junge Menschen, die bereits eine medizinische Ausbildung, etwa zur MFA oder in der Krankenpflege, abgeschlossen haben und noch mehr Ambitionen haben, aber nicht weitere sechs Jahre Medizin studieren wollen oder können. 

So wie Emily Kaiser. Die 28-Jährige arbeitet seit zwei Jahren als „Physician Assistant“ in der Rettungsstelle des BG Klinikums Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) und hat großen Spaß an ihrem Beruf. Durch das Bachelor-Studium habe sich ihr Aufgabenspektrum deutlich erweitert. „Ich bin jetzt viel stärker in die eigentliche Patientenversorgung eingebunden und habe dadurch auch mehr Verantwortung, als ich als MFA hatte“, erzählt sie. Die Begriffe „halbe Ärztin“ oder „Ärztin Light“ hört sie nicht gerne, weil sie irgendwie abschätzig klingen. „Wir sind da, um Ärztinnen und Ärzte bei ganz bestimmten Aufgaben zu unterstützen, nicht, um sie durch eine Light-Version zu ersetzen“, stellt Emily klar.

Wir beobachten weiterhin ein hohes Interesse von Krankenhäusern, Medizinischen Versorgungszentren und zunehmend auch von ambulanten Versorgungseinrichtungen am Einsatz von Physician Assistants.

Larissa Schemel,
Physician Assistant, B.Sc. und stud. M.Sc., 2. stellvertretende Vorsitzende der DGPA

Emily Kaiser ist die einzige Physician Assistant am ukb. Andere Berliner Kliniken nennen – wenn überhaupt – ähnlich kleine Zahlen. An den DRK Kliniken Berlin sind es zwei am Standort Westend, die Vivantes Kliniken melden insgesamt drei – verteilt auf die Standorte Klinikum Spandau, Am Urban und Humboldt-Krankenhaus. Das Deutsche Herzzentrum der Charité beschäftigt mit zwanzig Physician Assistants und zwei Studierenden wohl die meisten in Berlin. Einen zahlenmäßigen Überblick und wie sich diese Berufsgruppe auf die verschiedenen Sektoren verteilt, hat niemand, da es für das Berufsbild kein Register gibt.

Klein, aber im Wachstum begriffen

Die Deutsche Gesellschaft für Physician Assistants (DGPA), ein bereits im Jahr 2008 aus Eigeninitiative gegründeter Berufsverband, nennt als Anhaltspunkt die Zahl der Hochschulabsolvent:innen. Demnach wurden seit 2005 bundesweit rund 3.200 Personen zur oder zum „Physician Assistant“ ausgebildet. Für Berlin gibt es keine verlässlichen Zahlen, außer der Tatsache, dass dem Berufsverband aktuell 49 Physician Assistants mit Wohnsitz in Berlin angehören, wobei es keine Pflicht zur Mitgliedschaft gibt. 

Eine große Rolle scheinen Physician Assistants im Gesundheitswesen zurzeit also noch nicht zu spielen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Laut den Daten des Deutschen Hochschulverbands Physician Assistant (DHPA) sind aktuell knapp 5.500 Studierende in Physician Assistant-Studiengängen eingeschrieben – bei offenbar wachsender Nachfrage. „Wir beobachten weiterhin ein hohes Interesse von Krankenhäusern, Medizinischen Versorgungszentren und zunehmend auch von ambulanten Versorgungseinrichtungen am Einsatz von Physician Assistants“, berichtet Larissa Schemel, die 2. stellvertretende Vorsitzende des DGPA. 

ukb-Unfallchirurg Prof. Dr. med. Nikolai Spranger bildet Physician Assistants an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport (DHGS) in Berlin aus. An der Hochschule lehrt er die Theorie, in der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, deren stellvertretender Direktor er ist, sowie im klinikeigenen Simulationszentrum lehrt er die praktischen Anteile. Hier bekommen die Studierenden die Möglichkeit, Lehrbuchwissen auf echte Fälle zu übertragen und handwerkliche Fähigkeiten zu üben: einen Splitter entfernen, eine Operationswunde klammern, einen Bauch auf freie Flüssigkeit untersuchen und vieles mehr. „Meine Studierenden sind hoch motiviert und super engagiert, die wollen wirklich etwas lernen“, erzählt Spranger. In den meisten Fällen tragen die Studierenden die Kosten für das Studium selbst, und manche müssen eine Familie ernähren. Dennoch entscheiden sie sich dafür, das anspruchsvolle Bachelor-Studium drei Jahre lang durchzuziehen „Wer so etwas tut, brennt wirklich für diesen Beruf“, meint Ausbilder Spranger. Seine Einschätzung sieht er in Emily Kaiser bestätigt, die für ihn nicht nur die Kolleg:innen in der Rettungsstelle entlastet, sondern auch für Kontinuität sorgt. „Emily ist immer da, und sie ist ein hervorragendes Bindeglied zwischen Ärzt:innen und Pflege.“

Sorge vor der preiswerteren Konkurrenz

Doch nicht alle sehen diesen Beruf so positiv. Es gibt durchaus kritische Stimmen, die sogar eine Gefahr in den Physician Assistants erkennen.

Ich sehe wirklich die Gefahr, dass es den Arzt, wie ich ihn kenne, nicht mehr gibt.

Dr. med. Regine Held
Dr. med. Regine Held

Dr. med. Regine Held, Mitglied der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin, war bis 2022 in der „AG Physician Assistants“ der Bundesärztekammer tätig und sieht das neue Berufsbild nach wie vor kritisch. Sie fragt sich, wie Ärzt:innen in Weiterbildung oder am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn etwas lernen sollen, wenn die Aufgaben von Physician Assistants übernommen werden. Außerdem fragt sie sich, was ein Befund wert ist, „wenn der Arzt den Patienten nie gesehen hat, ihn weder untersucht noch die Anamnese erhoben hat und einfach nur sein Name darunter steht?“ Für die berufspolitisch engagierte Hals-Nasen-Ohrenärztin gehören diese urärztlichen Aufgaben nicht in die Hände von Assistent:innen. Sie räumt jedoch ein, dass die Diskussion um Physician Assistants möglicherweise eine Generationenfrage ist und viele junge Kolleg:innen den Beruf super finden. Aber: „Ich sehe wirklich die Gefahr, dass es den Arzt, wie ich ihn kenne, nicht mehr gibt“, sagt Held. 

Physician Assistants werden geringer vergütet als Ärzte, sodass hier für Krankenhausmanager ein erheblicher materieller Anreiz besteht, Stellen im ärztlichen Dienst durch ebendiese Assistenten zu ersetzen.

Julian Veelken
Julian Veelken

Julian Veelken, ebenfalls Mitglied der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin, teilt die Sorge, dass sich der Arztberuf grundlegend verändern könnte. Der Neurochirurg fordert deshalb eine klare und gut begründete Abgrenzung, welche Tätigkeiten weiterhin Ärzt:innen vorbehalten sein müssen und welche delegiert werden können. „Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich der Arztberuf weg von der unmittelbaren Patientenversorgung hin zum Management und zur Supervision nachgeordneter nicht-ärztlicher Assistenzberufe entwickelt“, so Veelken. 

Und er sieht ein weiteres Problem: Die preiswertere Konkurrenz könnte die teuren Ärzt:innen mitunter regelrecht verdrängen. „Physician Assistants werden geringer vergütet als Ärzte, sodass hier für Krankenhausmanager ein erheblicher materieller Anreiz besteht, Stellen im ärztlichen Dienst durch ebendiese Assistenten zu ersetzen“, erklärt er. Kurzum: Im Worst-Case-Szenario werden Ärzt:innen künftig schlechter ausgebildet und viele sogar überflüssig, weil kostengünstigere Physician Assistants ihren Platz einnehmen. 

Kritiker:innen befürchten, dass dadurch der Arztberuf ausgehöhlt wird und die Versorgungsqualität Schaden nimmt. Interessanterweise argumentieren die Befürworter:innen genau umgekehrt: Ohne Physician Assistants würde die Versorgungsqualität den Bach heruntergehen, da die Arbeit ohne Unterstützung gar nicht mehr zu schaffen sei und vielerorts Ärzt:innen fehlten. Die Delegation definierter Aufgaben an gut ausgebildete Dritte sei darum die Lösung, nicht das Problem.

Wir haben auf der einen Seite viel mehr alte und multimorbide Menschen und auf der anderen Seite immer mehr diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. In dieser Situation sind wir auf qualifizierte Unterstützung angewiesen. Wir brauchen deshalb Physician Assistants in unseren Praxen.

Dr. med. Irmgard Landgraf
Dr. med. Irmgard Landgraf

Neue Bedingungen erfordern neue Rollen

Zum Lager der Befürworter:innen gehört Dr. med. Irmgard Landgraf, Mitglied im Vorstand und in der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin sowie im Vorstand des Hausärzteverbands Berlin und Brandenburg (BDA). Sie argumentiert mit dem rasanten medizinischen Fortschritt, der die Versorgung deutlich komplexer und anspruchsvoller mache. Die Anforderungen an eine Hausarztpraxis seien heute nicht mehr vergleichbar mit früher, betont sie „Wir haben auf der einen Seite viel mehr alte und multimorbide Menschen und auf der anderen Seite immer mehr diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. In dieser Situation sind wir auf qualifizierte Unterstützung angewiesen. Wir brauchen deshalb Physician Assistants in unseren Praxen.“

Landgraf ist überzeugt, dass die studierten Assistent:innen in den Praxen künftig eine viel entscheidendere Rolle spielen werden als heute. Sie glaubt außerdem, dass man für diesen akademischen Heilberuf viele junge Menschen begeistern kann, da sie vergleichsweise schnell praktisch tätig werden können. „Nur können wir sie augenblicklich noch nicht entsprechend ihrer Qualifikation bezahlen. Das muss sich dringend ändern.“

Spranger hält das Berufsbild „Physician Assistant“ ebenfalls für zukunftsträchtig, da Kostendruck und Ärztemangel das jetzige System schwer belasten. „Nicht in Berlin, aber in vielen strukturschwachen Regionen finden sich oft kaum noch engagierte Ärzte“, sagt er. Dort seien Fachkräfte, die delegierbare ärztliche Tätigkeiten übernehmen könnten, „sehr wichtig, um den Betrieb am Laufen zu halten“. Dass Kliniken auf diese Weise auch Arztstellen einsparen können, sei richtig, müsse aber eben auch im Kontext der aktuellen Sparzwänge betrachtet werden.

Physician Assistants

Zahlen, Daten, Fakten

Definition 
Der „Physician Assistant“ ist ein akademischer Gesundheitsberuf. Im Rahmen eines Bachelor-Studiengangs erwerben Studierende die Qualifikationen, um delegierbare ärztliche Tätigkeiten eigenständig zu übernehmen.

Studium
Das Studium zum „Physician Assistant“ gibt es in Deutschland seit 2005, seit 2021 werden auch Masterstudiengänge angeboten.

Hochschulen
In Deutschland gibt es 47 Hochschulen an über 40 Standorten, davon bieten 6 einen Masterstudiengang an. Insgesamt wurden bisher 3.087 Bachelor- und 89 Masterabschlüsse verzeichnet. Mit Stand 15. Oktober 2025 gab es 5.482 Studierende.

Voraussetzung
Wer das Studium absolvieren möchte, benötigt eine Vorausbildung im Gesundheitswesen, etwa als MFA oder Pflegefachkraft. Mittlerweile verzichten jedoch immer mehr Hochschulen darauf und bieten primärqualifizierende Studiengänge an.

Bachelor
Das Studium dauert 3 bis 4 Jahre und ist generalistisch ausgerichtet.

Master
Das Studium dauert 2,5 Jahre und es werden generalistische sowie spezialisierende Masterstudiengänge angeboten. Mögliche Spezialisierungen sind Akut- und Notfallmedizin, Intensivmedizin, ambulante Versorgung oder ein ökonomischer Schwerpunkt. Master-Studiengänge sind in der Regel berufsbegleitend.

Einsatzgebiete
Es liegen keine Zahlen vor, jedoch wird geschätzt, dass mehr als 75 Prozent der Physician Assistants in Kliniken arbeitet.

Keine einheitlichen Ausbildungsstandards

Derweil will die Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Prof. Dr. med. Nicola Buhlinger-Göpfarth, in den vergangenen Jahren ein Umdenken in der Ärzteschaft beobachtet haben – von einer eher zurückhaltenden, teils skeptischen Haltung hin zu der Erkenntnis, „dass eine hochwertige Delegation unseren Patientinnen und Patienten sowie unseren Praxisteams nutzt“. Die Sorge vor der Einführung eines „Arzt-Light“ teilt sie nicht, „solange das letzte Wort auch in Zukunft bei uns Ärztinnen und Ärzten liegt“.

Auch im novellierten Positionspapier der Bundesärztekammer vom Mai 2025 ist eine wohlmeinende Perspektive erkennbar. Die Kammer bekennt sich darin klar zu „Physician Assistance – ein etabliertes Berufsbild im deutschen Gesundheitswesen“ und hält eine Aufgabenteilung in multiprofessionellen Teams für unumgänglich. In der Vorgängerversion von 2017 war noch von einem „neuen Beruf im Gesundheitswesen“ die Rede. Auffällig ist, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung das neue Positionspapier nicht unterzeichnet hat.

In dem Papier beschreibt die Bundesärztekammer ausgewählte Aspekte des Berufsbildes und formuliert konkrete Vorschläge zur Ausgestaltung des Tätigkeitsrahmens. Neben der Darstellung typischer Aufgaben in der ambulanten und der stationären Versorgung werden auch die zentralen Studieninhalte sowie die angestrebten Kompetenzen erläutert. Hintergrund ist, dass es derzeit weder einheitliche Studieninhalte noch einen gleichartigen Tätigkeitsrahmen für Physician Assistants gibt. Das Papier ist der Versuch, mehr Klarheit für einen Beruf ohne Berufsgesetz zu schaffen. Tatsächlich ist die Frage, was genau eine delegierbare ärztliche Tätigkeit ist, nicht ganz so einfach zu beantworten, wie es auf den ersten Blick scheint. Auch das Positionspapier kann letztlich nur einen groben Rahmen stecken.

Aufklärung an Approbation gebunden

Zum Beispiel ist das Aufklärungsgespräch, insbesondere über Risiken, Alternativen und den konkreten Eingriff, zwingend an die ärztliche Approbation gebunden und nicht delegierbar, da es rechtlich bindend ist. Ein Anamnesegespräch darf hingegen von einer oder einem Physician Assistant geführt werden. Indikationen dürfen wiederum nur von Ärzt:innen gestellt werden. Die Ausführung können aber sehr wohl ihre Assistent:innen übernehmen, etwa eine Infusion anlegen oder die Lunge abhören. Aber ist die Aufgabenteilung wirklich bei allen Fragestellungen und Handgriffen so klar geregelt? Kritiker:innen beklagen viel Unsicherheit unter den Kolleg:innen, während Expert:innen sagen, dass auch die Arbeitgeber klare Vorgaben zur Rollenverteilung machen müssen.

Die Debatte über die Definition und Rolle dieses Berufsbildes im Gesundheitswesen ist also noch lange nicht beendet. Und in Berlin muss noch viel Wasser die Spree hinunterfließen, bis klar ist, wie der neue Assistenzberuf die Versorgungslandschaft verändern wird – oder ob er das überhaupt tun wird. Bei Vivantes, Deutschlands größtem kommunalen Klinikkonzern mit 20.000 Mitarbeitenden, sind die drei beschäftigten Physician Assistants noch „Einzelfälle“, wie eine Sprecherin im Juni 2026 mitteilte. „Das Berufsfeld steht nicht im Fokus, es werden keine Arzt- oder Weiterbildungsstellen eingespart.“

Im Deutschen Herzzentrum der Charité spielen Physician Assistants dagegen eine große Rolle. Das ehemalige Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) gehörte zu den ersten Einrichtungen in Deutschland, die das Berufsbild aufgegriffen und systematisch in die klinische Versorgung integriert haben. Ein Sprecher erklärt, dass es in einem hochspezialisierten Fach wie der Herzchirurgie viele wiederkehrende Aufgaben gebe, die eine hohe Verlässlichkeit und Erfahrung erforderten. „Physician Assistants sorgen hier für Kontinuität, Stabilität und eine verlässliche Prozessqualität.“ Zugleich könnten Ärzt:innen in Weiterbildung sich stärker auf die für ihre Facharztweiterbildung zentralen Inhalte fokussieren. „Der Einsatz von Physician Assistants ist am DHZC damit kein Instrument zur Einsparung ärztlicher Stellen“, so der Zentrumssprecher, „sondern Teil einer strukturierten und zeitgemäßen Aufgabenverteilung im herzchirurgischen Behandlungsteam.“

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Emily Kaiser hat dreijährigen Bachelor-Studiengang „Physician Assistant“ absolviert und arbeitet in der Rettungsstelle des BG Klinikums Unfallkrankenhaus Berlin (ukb).

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