Beatrice Hamberger: Frau Kaiser, Sie arbeiten als Physician Assistant in der Rettungsstelle des ukb. Was machen Sie da genau?
Ich bin für die Patientenbehandlung mitverantwortlich. Das bedeutet, ich wirke an der Diagnosefindung mit, führe Anamnesen und körperliche Untersuchungen einschließlich Ultraschall durch, und kann auch kleinere chirurgische Eingriffe vornehmen. Beispielsweise kann ich eine Platzwunde nähen oder einen Abszess spalten. Ich schreibe aber auch Arztbriefe, kümmere mich um das Entlassmanagement oder nehme Kontakt zu Angehörigen auf. Bei uns im Haus bin ich außerdem für das Traumaregister mitverantwortlich. Alles in allem habe ich eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit.
Eine Platzwunde nähen – das hätten Sie als Medizinische Fachangestellte, die Sie vorher waren, sicher nicht gedurft?
Nein, das hätte ich weder gekonnt noch gedurft. Auch eine körperliche Untersuchung hätte ich nicht durchführen können. Als Physician Assistant habe ich deutlich mehr Verantwortung und auch deutlich mehr direkten Patientenkontakt. Allerdings: Die Indikation, dass die Wunde zugenäht werden muss, stellt ein Arzt, der dann diese Aufgabe an mich delegiert. Auch den Entlassungsbrief, den ich schreibe, muss immer ein Arzt mitunterzeichnen.
Dieser Punkt ist wichtig. Sie arbeiten unter ärztlicher Anweisung bzw. Aufsicht.
Genau. Ich unterstütze unsere Ärztinnen und Ärzte, nehme ihnen Aufgaben ab, sodass insgesamt mehr Patientinnen und Patienten behandelt werden können. Ich ersetze sie aber nicht.
Und wie kommt das bei Ihren Kolleginnen und Kollegen an?
Tatsächlich bekomme ich viel Zuspruch. Es wird mir kommuniziert, dass meine Unterstützung oder meine Arbeit sehr geschätzt wird und hilfreich ist – sowohl von ärztlicher als auch von pflegerischer Seite. Das freut mich natürlich sehr. Auch Patienten sind meinem Berufsbild gegenüber sehr aufgeschlossen. Ich habe noch nie erlebt, dass sich jemand von mir nicht behandeln lassen wollte oder dergleichen.
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Was hat Sie eigentlich bewegt, auf Ihre MFA-Ausbildung noch ein dreijähriges Bachelor-Studium draufzupacken?
Nachdem ich meine Ausbildung zur MFA abgeschlossen hatte und eine Zeit lang in diesem Beruf gearbeitet hatte, habe ich gemerkt, dass ich noch mehr wissen und erlernen möchte. Im Studium kamen dann zunächst grundlegende Dinge wie wissenschaftliches Arbeiten, Qualitätsmanagement oder Psychologie dran, bevor wir dann praktisch alle Fachabteilungen einmal durchgearbeitet haben: von der Neurologie über die Innere Medizin und Geriatrie bis hin zur Pathologie und eben auch Chirurgie und Unfallchirurgie.
Klasse war, dass wir auch oft vor Ort waren und uns beispielsweise die Rettungsstelle am ukb ansehen konnten. Jedes Modul wurde mit einer Prüfung oder einer schriftlichen Hausarbeit abgeschlossen. Das heißt, ich habe eine sehr breite Ausbildung bekommen, die neben den theoretischen auch viele praktische Anteile hatte.
Eine Spezialisierung ist in diesem Studiengang nicht vorgesehen?
Nein, das Studium bereitet einen auf einen Beruf vor, den man dann immer individuell für sich anpassen muss. Aber es vermittelt viel Handwerkszeug, zum Beispiel das Nähen und chirurgische Knüpfen oder den eFAST-Ultraschall. Das kann ich hier in der Rettungsstelle gut einsetzen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Für mich persönlich? Ich möchte noch so einiges erlernen, vor allem in der Notfallmedizin. Die macht mir schon sehr viel Spaß, muss ich sagen. Generell wünsche ich mir, dass der Beruf Physician Assistant bekannter wird, und er sich besser etabliert. Es ist ein sehr unterstützender Beruf, und es braucht mehr von uns, um für Entlastung im Gesundheitssystem zu sorgen.
