Post-COVID erfolgreich therapieren

Allen, die Patient:innen mit Post-COVID behandeln, ist dasim Jahr  2025 erschienene Buch „Post-COVID erfolgreich therapieren“ von Dr. rer. medic. Alexa Kupferschmitt und Prof. Dr. med. Volker Köllner sehr zu empfehlen. Die Herausgeber beschreiben es treffend als Manual zur Patientenschulung und zur Unterstützung der Krankheitsverarbeitung.

Zur Vermeidung von Unter- als auch Überdiagnostik

Die Erläuterungen zum wissenschaftlichen Hintergrund des Post-COVID-Syndroms (PCS) machen fast ein Drittel des Textes (Teil 1 und 2) aus. Dadurch können sich die behandelnden Haus- und Fachärzt:innen, Psycholog:innen sowie Physiotherapeut:innen fundiert über die folgenden Themen informieren: Epidemiologie, Symptomatik, Erkenntnisse aus den Bereichen Immunologie und Neurologie, Diagnostik und Behandlung – darunter psychologische Aspekte der Krankheitsentwicklung und -chronifizierung sowie der Krankheitsbewältigung – und Rehabilitation des PCS. Ausführlich werden die ersten differentialdiagnostischen Schritte in der hausärztlichen Praxis beschrieben, um sowohl Unter- als auch Überdiagnostik zu vermeiden.

Es werden Überschneidungen und Abgrenzungen zum Myalgischen Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) bzw. zum Post-Infektions-Syndrom (PIS) und zur Post-Exertionellen Malaise (PEM) erörtert. Die Autor:innen scheuen auch die Diskussion um die Ursachen des PCS nicht, die einerseits als rein psychische bzw. somatoforme Erkrankung und andererseits als rein virales Leiden diskutiert werden. In den vorgestellten multimodalen Behandlungsansätzen wird eine Synthese aus Psychotherapie, Bewegungstherapie, kognitivem Training, medikamentöser Therapie, Ernährungstherapie und experimentellen Ansätzen in der somatischen Medizin erzielt.

Arbeitsblätter und Sitzungsentwürfe

Teil 3 und 4 des Manuals befassen sich mit Grundsätzen und Grundannahmen zu den spezifischen Aspekten der Psychoedukation der Patient:innen,  also der Auseinandersetzung mit der Erkrankung und der neuen Lebensrealität sowie der Veränderung der Sichtweise der Patient:innen durch den therapeutischen Prozess in der Gruppe.

Für die Psychoedukation im ambulanten und stationären Setting wird eine Präsentation mit 83 aufeinander aufbauenden Folien vorgeschlagen, die auch einzeln in eine Sitzungsstruktur übernommen werden können. Zusätzlich werden 29 Arbeitsblätter vorgestellt, die die Struktur für zwölf verhaltenstherapeutische Sitzungen vorgeben. Es werden Inhalte wie das eigenständige Einordnen der Patient:innen in Bezug auf Fatigue, Energie und Überlastung sowie Aktivitätsbeobachtung, die Bedeutung des Selbstwerts, der Stimmung und der Ressourcen behandelt. Auch für einzeltherapeutische Sitzungen können die Arbeitsblätter und Sitzungsentwürfe als Wegweiser dienen.

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In Teil 5 wird ausführlich auf die Möglichkeiten einer kleinschrittigen Bewegungstherapie inklusive Entspannungstherapie als Ergänzung zur therapeutischen Arbeit eingegangen.

Nach dem Erwerb des Manuals kann man sich für das Online-Angebot freischalten lassen und erhält die erwähnten Behandlungsblätter, Präsentationsfolien sowie einen Vortrag zu diesen. Speziell für fachfremde Behandlende, die sich einen Überblick verschaffen möchten und nach essenziellen Fakten und/oder Empfehlungen suchen, sind die aus Lehrbüchern bekannten Textboxen und Textcluster zu den Themen „Merke/Definition/Fazit“, „Praxistipps“, „Leitfrage“ und „Cave“ jeweils farblich unterschiedlich in den Text eingefügt. Dadurch fallen die wesentlichen Inhalte auch beim Schnelllesen ins Auge.

Ich habe dieses Manual als äußerst spannend, gut verständlich und kenntniserweiternd empfunden. Es gibt einen hervorragenden Einblick in die Besonderheiten dieser Patientengruppe und strukturierte Hilfestellungen für alle Kolleg:innen. Selbst in der notfallmedizinischen Akutversorgung vermittelt es fundierte Konzepte der Behandlungsansätze, sodass wir als Behandelnde keineswegs handlungsunfähig bleiben müssen. Also: Unbedingt lesen! Und stöbern!

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