Don’t miss the clitoris

Ja, es ist ein Lehrbuch: Anatomische Zeichnungen werden hier von informativen Texten begleitet. Schon der Beginn ist präzise: „Die Klitoris besteht aus vier Schwellkörpern – je zwei pro Seite. Sie umschließt die Vagina und die Harnröhre. Der Klitoriskörper und die Klitoriseichel sind von einer Vorhaut bedeckt.“

Für Frauen wie Männer

Prof. Dr. med. Mandy Mangler, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum und am Vivantes Klinikum Neukölln, hat jedoch – unter Mitarbeit der Tagesspiegel-Journalistin Esther Kogelboom und mit Zeichnungen von Dani Becker – ein Buch verfasst, in dem sich gynäkologisch-fachliche Kompetenz mit einer angenehm verständlichen, alltagstauglichen Sprache verbindet. Und mit dem Anliegen, durch „Cliteracy“ zu einer gleichberechtigten, für Frauen wie Männer freudvolleren Gesellschaft beizutragen. Frauen und Männer sind nämlich keine Bewohner von Venus und Mars, sondern „vom selben Stern“, wie die Autorinnen betonen. „Penis und Klitoris entstehen aus denselben embryonalen Anlagen.“ 

Das Büchlein „Don’t miss the clitoris“ trägt bewusst „un-verschämt“ den Untertitel „Eine Bedienungsanleitung“.  Zunächst geht es darin um Sprache: Verdruckste Begriffe wie „weibliche Scham“ oder latent martialische wie „Scheide“ sollten nach Ansicht von Mangler im allgemeinen Sprachgebrauch durch präzisere Begriffe wie „Vulva“, „Klitoris“ und „Vagina“ ersetzt werden. Denn wenn es Bezeichnungen für alle Organe des Beckens gibt, erleichtert das Mädchen und Frauen in jeder Hinsicht das Sprechen darüber. „Wenn klar benannt werden kann, was mit welchen Körperteilen geschieht, dient das auch der Prävention von Missbrauch.“

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Empfehlenswerte Lektüre

Im Zentrum steht jedoch der gute, genüssliche und gesunde Umgang mit dem unterschätzten Organ. Aus feministischer Sicht hat Alice Schwarzer mit ihrem Buch „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ bereits Mitte der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts Verdienstvolles geleistet, indem sie über tabuisierte Aspekte der weiblichen Lust gesprochen hat. 50 Jahre später geht das aber erstens lockerer, unangestrengter und weniger ideologieverdächtig.

Zweitens schreibt hier eine Medizinerin, die ihre Aufklärungskampagne mit ganz anderen Argumenten und Belegen unterfüttern kann. Diese betreffen auch, aber nicht allein, die wohltuende Wirkung von Kontraktionen für den Beckenboden.  Wer seiner Klitoris mehr Beachtung schenkt, lebt insgesamt gesünder, resümiert die Autorin. Es gibt einen besseren Schlaf, weniger Stress-Symptome und positive Auswirkungen auf den Blutdruck. Ärzt:innen aller Fachgebiete können hier ihre Kenntnisse über ein gar nicht so kleines Organ auf den aktuellen Stand bringen und ihren Patient:innen eventuell diese hilfreiche Lektüre empfehlen.

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