Ärztin – Plastische Chirurgin – Frauen-Netzwerkerin

Große Geschichte(n) im kleinen Format: Die „Jüdischen Miniaturen“ passen in jede Jackentasche, sind kompakt, leicht verständlich und günstig. Sie erinnern an jüdische Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Gesellschaft, Kunst, Kultur und Wirtschaft, die in ihrer Zeit Bedeutendes geleistet haben. Band 345 der Reihe würdigt nun die jüdische Chirurgin Edith Peritz, die lange Zeit auch in Berlin wirkte.

Mut und Engagement

Edith Peritz, geboren 1897 in Breslau, stammte aus einer jüdischen Arztfamilie. 1916 nahm sie das Medizinstudium auf, zu einer Zeit, in der es nur wenige in Deutschland ausgebildete Ärztinnen gab. Sie promovierte an der Kinderklinik in Breslau und ging anschließend zu Ernst Unger an das Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin. Mutig entschied sie sich für die Chirurgie, ein bis heute männlich dominiertes Fachgebiet. Sie publizierte in Fachzeitschriften und engagierte sich standespolitisch für die berufliche Gleichstellung der Frau in der Berliner Ärztekammer, im Bund Deutscher Ärztinnen sowie in der Berliner und der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

Prägend für Peritz‘ Werdegang war ein Aufenthalt bei der Pariser Plastischen Chirurgin Suzanne Noël. Diese hatte durch die chirurgische Versorgung kriegsversehrter Soldaten einen reichen Erfahrungsschatz gesammelt und 1926 ein Buch über Ästhetische Chirurgie veröffentlicht. Bei Noël lernte Peritz innovative und minimalinvasive Techniken kennen, die es ihr 1928 ermöglichten, eine eigene, höchst erfolgreiche Praxis für Plastische Chirurgie in Berlin zu eröffnen. 

Unabhängigkeit der Frau

Und sie lernte dort noch etwas anderes: Noël setzte sich für die berufliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frau ein und gründete 1924 nach amerikanischem Vorbild den Soroptimist-Club Paris für berufstätige Frauen. Diese Idee verbreitete sich und mündete in einem globalen Netzwerk. Peritz gründete 1930 in Berlin den ersten deutschen Soroptomist International (SI) Club. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlor sie ihre Kassenzulassung und emigrierte 1936 mit einem Touristenvisum in die USA.

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Nach dem Krieg besuchte Peritz Deutschland mehrfach, unter anderem wegen eines langwierigen Entschädigungsverfahrens, zu dem zahlreiche prominente Unterstützungsschreiben erhalten sind. 1960 berichtete sie auf einem SI-Treffen in Berlin über ihren Werdegang in New York.

So aktuell wie damals

Ihre Botschaft ist heute noch genauso aktuell wie damals: Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Berliner SI-Clubs im Jahr 1970 schrieb Peritz: „Wir müssen Stellung nehmen zu den brennenden Fragen der Zeit. Wir müssen […] die Beziehungen zwischen den Völkern friedlich gestalten, indem wir persönliche Beziehungen schaffen, so dass die Bewohner eines anderen Landes nicht als Feinde erscheinen, sondern als ein Mensch wie Du und ich.“ 

Benjamin Kuntz, Gesundheitswissenschaftler und Medizinhistoriker, und Felicitas von Aretin, Historikerin und Publizistin, würdigen in ihrem lesenswerten Büchlein aus der Reihe „Jüdische Miniaturen“ eine ungewöhnliche Ärztin und engagierte Frau, die lange Zeit auch in Berlin wirkte.

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