In Berlin gibt es seit Mitte 2025 eine Einrichtung, die den Umgang mit schwerer Krankheit verändern soll: die erste palliativmedizinische Tagesklinik der Stadt. Unheilbar kranke Menschen, die sich noch nicht in ihrer Lebensendphase befinden, erhalten hier tagsüber eine umfassende palliativmedizinische und palliativpflegerische Betreuung, therapeutische Angebote, psychosoziale Unterstützung sowie seelsorgerische Begleitung. Anschließend kehren sie in ihr gewohntes Zuhause zurück. Währenddessen sind gegebenenfalls Angehörige entlastet.
Die palliativmedizinische Tagesklinik richtet sich an Patientinnen und Patienten, die ein spezialisiertes Angebot benötigen, jedoch keine durchgehende Krankenhausversorgung brauchen und für die die Fahrten zur Klinik zumutbar sind. Die therapiefreien Zeiten verbringen sie in ihrem eigenen Umfeld, das ihnen Sicherheit und Vertrautheit bietet.
Bislang gibt es deutschlandweit nur wenig vergleichbare Einrichtungen. Woran liegt das und was ist das Neue oder Besondere an Ihrem Angebot?
Es handelt sich um eine neue Versorgungsform und ist daher vielerorts noch nicht bekannt. Krankenhausträger sind mitunter zurückhaltend, wenn es darum geht, neues Terrain zu betreten, oder es fehlt ihnen an ausreichender personeller Kompetenz im palliativen Bereich.
Das Neue daran ist, dass Patientinnen und Patienten nach einer klinischen Intervention oder auch gebündelten Maßnahmen am Abend wieder in ihrem gewohnten Umfeld sind. Daneben können Angehörige tagsüber entlastet werden.
Welche Berufsgruppen gehören zu Ihrem Team?
Wie bei der langjährig bewährten vollstationären Behandlung arbeiten auch hier Medizin, Pflege, Physiotherapie, Psychologie, Seelsorge, Sozialdienst und Ehrenamt Hand in Hand, gestützt durch regelmäßige Fallbesprechungen, Teamsitzungen und Supervisionen.
Wie binden Sie Hausärztinnen und -ärzte oder andere Behandelnde in die Versorgung ein?
Wir beteiligen unsere niedergelassenen Zielgruppen in den hausärztlichen und Facharztpraxen, etwa in der Onkologie und in der SAPV, in dem wir Fortbildungen und Infomaterialien anbieten und persönliche Gespräche führen. Wir informieren die Kolleginnen und Kollegen regelmäßig durch schriftliche Berichte oder direkt telefonisch und besprechen vertrauensvoll bestehende Fragen oder Anliegen. Wichtig ist hier, dass die Kolleginnen und Kollegen parallel mitbehandeln und auch abrechnen können.
Wie wird ein Platz in der Tagesklinik in der Regel finanziert?
Die Klinikleitung konnte mit den Kostenträgern eine vollständige Übernahme der Behandlungs- und auch Transportkosten verhandeln. Es handelt sich also um eine Vollfinanzierung.
Was ist bei Ihren Patientinnen und Patienten besonders beliebt?
Das ist individuell verschieden: Einige kommen nur für einen Tag, um sich einer klinischen Intervention wie einer Bluttransfusion, Punktion oder gezielten Diagnostik zu unterziehen. Andere kommen mehrmals, oft wöchentlich, für nichtinvasive Anwendungen wie Physio-, Kunst- oder auch Gesprächstherapie. Diese werden ebenfalls gerne angenommen. Soweit möglich, genießen viele den „Ausflug“ auf unsere schöne Dachterrasse mit wohltuendem Weitblick inmitten Berlins. Unverzichtbar bleibt jedoch die besondere menschliche Zuwendung, die alle unsere Patientinnen und Patienten erfahren.
Multimodales und individuelles Therapiekonzept
Die tagesklinische Behandlung umfasst eine werktägliche Versorgung zwischen sechs und acht Stunden. Die einzelnen Bausteine sind:
Bei körperlichen Beschwerden
- Symptomlinderung, zum Beispiel bei Schmerzen, Atemnot,
- Flüssigkeitsableitungen (Drainagen)
- Infusionen und Bluttransfusionen
- operative Wundbehandlungen
- weiterführende Diagnostik
- fachübergreifende Therapie
Umfassendes therapeutisches Angebot
- Psychotherapie, Psychoonkologie
- Kreativtherapie
- Physio- und Ergotherapie, Lymphdrainage
- komplementäre Therapieverfahren
Wichtige ergänzende Services/Angebote
- Kontakte zur Krankenhausseelsorge (religionsoffen)
- Sozialberatung und Unterstützung, Pflegeüberleitung
Welche Entwicklungen in Gesellschaft und Gesundheitssystem – etwa demografischer Wandel, Einsamkeit oder die Situation in der Pflege – beeinflussen Ihre Arbeit besonders?
Als Mitglied der Arbeitsgruppe Langzeitpflege im Deutschen Ethikrat beschäftigen mich diese Themen intensiv und zum Teil mit besonderer Sorge. Mit der Palliativmedizinischen Tagesklinik möchten wir fachlich wie menschlich ein gutes Beispiel für eine würdevolle Begleitung vorleben. Daher bin ich überzeugt, dass der Zuspruch von Betroffenen und ihren Angehörigen in den kommenden Jahren weiter wachsen wird – auch im Verbund mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen.
Erschienen in der Ausgabe 4/2025 der Mitgliederzeitschrift „Berliner Ärzt:innen“
Anmeldung
Das multimodale und individuelle Therapiekonzept der palliativmedizinischen Tagesklinik umfasst eine werktägliche invasive und/oder noninvasive Krankenhausbehandlung von palliativmedizinischen Patientinnen und Patienten für sechs bis acht Stunden an Einzeltagen oder kontinuierlich, zunächst bis zum Quartalsende.
Anmeldung
Telefont: 030 2638 6122
E-Mail: palliativmedizin@joseph-kliniken.de
Website: www.joseph-kliniken.de
