Redaktion: Herr Dr. Hartung, was hat Sie bewegt, in der Sport- und Notfallmedizin zu arbeiten?
Dr. med. Johannes Hartung: In der Sportmedizin geht es darum, Gesundheit, Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit zu fördern, langfristig zu erhalten und Beschwerden frühzeitig zu erkennen. Die Notfallmedizin verlangt wiederum, in akuten Situationen schnell, strukturiert und unter hohem Zeitdruck die richtigen Entscheidungen zu treffen. Beide Fachgebiete verbindet ein hoher Anteil praktischer Medizin, interdisziplinäre Zusammenarbeit und der direkte Patientenkontakt.
Gerade bei Sportveranstaltungen ergänzt sich diese Kombination ideal: Das Spektrum reicht von präventiver Betreuung und der Einschätzung von Belastungsgrenzen bis hin zur Versorgung akuter medizinischer Notfälle. Man muss sowohl typische sportmedizinische Beschwerden als auch internistische oder traumatologische Akutsituationen sicher beurteilen können. Genau diese Verbindung aus Prävention und unmittelbarer medizinischer Hilfe macht die Arbeit für mich besonders spannend.
Seit wann arbeiten Sie bei Sportveranstaltungen?
Als ich 2021 in der Sportmedizin der Charité begonnen habe, ergaben sich dort immer wieder Möglichkeiten, Sportveranstaltungen medizinisch zu begleiten. Der Kontakt zu „Berlin läuft!“ entstand über meinen Kollegen und medizinischen Ansprechpartner der Veranstaltungsreihe, Dr. med. Maximilian Grummt.
Ist der Einsatz für Sie ein Ausgleich zu Ihrer Kliniktätigkeit?
Ja, definitiv. Die Arbeit bei Sportveranstaltungen unterscheidet sich deutlich vom Klinikalltag. Man arbeitet unter freiem Himmel, nah an den Menschen und in einer insgesamt positiven und motivierenden Atmosphäre. Gleichzeitig bleibt die medizinische Verantwortung hoch, wodurch die Einsätze fachlich anspruchsvoll und abwechslungsreich sind. Gerade diese Kombination empfinde ich als bereichernden Ausgleich zur Arbeit in der Klinik.
Rennarzt: Potenziell kritische Situationen frühzeitig erkennen
Was gefällt Ihnen an solchen Einsätzen besonders?
Mich beeindruckt vor allem die besondere Atmosphäre solcher Veranstaltungen. Man spürt den Teamgeist, die Motivation der Teilnehmenden und ihre Begeisterung für den Sport. Gleichzeitig ist kein Einsatz wie der andere. Man muss flexibel reagieren und eng mit unterschiedlichen Teams zusammenarbeiten. Über die Jahre entsteht dabei zudem ein sehr persönliches Miteinander: Viele Organisator:innen, Helfer:innen und Mitglieder der medizinischen Teams kennt man seit Langem. Dadurch fühlt sich eine solche Veranstaltung fast wie ein kleines Familientreffen an.
Wie haben Sie sich auf diesen Einsatz vorbereitet?
Zur Vorbereitung gehören vor allem die Sichtung der Einsatzpläne und des Sanitätskonzeptes sowie die enge Abstimmung mit den Veranstaltern und dem Sanitätsdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), zwischen denen man als Rennarzt eine Schnittstellenfunktion übernimmt. Darüber hinaus bereitet man sich gezielt auf typische Beschwerden bei Laufveranstaltungen wie Kreislaufprobleme, Dehydrierung oder orthopädische Beschwerden vor.
Was müssen Sie bei solchen Einsätzen besonders im Blick behalten?
Entscheidend ist vor allem, potenziell kritische Situationen frühzeitig zu erkennen. Dazu gehören beispielsweise Anzeichen von Überlastung, Hitzeerkrankungen oder akute internistische Notfälle. Gleichzeitig spielt die enge Kommunikation zwischen Veranstalter und Sanitätsdienst eine zentrale Rolle, damit im Ernstfall schnell, koordiniert und zielgerichtet gehandelt werden kann. Gerade bei großen Laufveranstaltungen ist ein gutes Zusammenspiel aller Beteiligten entscheidend, um eine sichere medizinische Versorgung der Teilnehmenden jederzeit gewährleisten zu können.
