Das Rezept

Mal sarkastisch, mal humorvoll, aber immer ehrlich: Unsere Autorin, Frau Dr. Titel, blickt hier regelmäßig hinter die Kulissen und erteilt Ratschläge – quasi auf Rezept. Diesmal: Kefir, Kimchi und Co.

Fast Halbzeit für 2026!

Die Natur steht in voller Blüte und Tierbabys, wie die Schmalstreifenmungos im Zoo, machen ihre ersten Schritte. Am 21. Juni ist Sommersonnenwende und damit der längste Tag des Jahres. Und ab dem 24. Juni haben Sie dann noch sechs Monate Zeit, um sich um passende Weihnachtsgeschenke zu kümmern. Bitte denken Sie aber wie jedes Jahr daran, dass keine Lebewesen unter den Weihnachtsbaum gehören. Es sei denn, Sie planen die Versorgung, das Notfallmanagement und die Tierarztkosten schon jetzt mit ein.

An dieser Stelle auch mal einen Gruß an unsere tierärztlichen Kolleg:innen, nicht nur, aber besonders in Kleintierpraxen! Die Arbeitsbelastung ist hoch, die Depressions- und Suizidrate steigend. Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten sich von Ihren Patient:innen nicht nur anpinkeln und beißen lassen (obwohl, alles schon gehabt …), sondern auch noch um Ihre Bezahlung kämpfen beziehungsweise sich beschimpfen lassen, wo denn Ihre Berufsehre bliebe, wenn Sie Fiffy, Bello und Felix nicht aus reiner Tierliebe versorgen würden.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gefährden Antimikrobielle Resistenzen (AMR) die Wirksamkeit lebensrettender Behandlungen und sind eine der größten globalen Gesundheitsbedrohungen. Vor diesem Hintergrund rücken alternative antiinfektive Strategien, darunter die Phagentherapie, also der gezielte Einsatz von Bakteriophagen, die spezifisch Bakterien infizieren und abtöten, stärker in den Fokus. Mehr darüber können Sie sicherlich bei der Langen Nacht der Wissenschaften erfahren. Zu dieser laden am 6. Juni 2026 von 17 bis 24 Uhr mehr als 50 Wissenschaftseinrichtungen aus Berlin und Potsdam in sonst nicht öffentlich zugängliche Labore, Archive, Bibliotheken und Hörsäle ein. Es geht um viele große und kleine Tierchen – von Nacktmullen bis zum Science Slam über Menschen und Mikroben.

Mit Ohrwürmern könnten Sie auch bei der Fête de la Musique, bei Helene Fischer im Olympiastadion oder bei den Berliner Philharmonikern mit Kirill Petrenko und Jonas Kaufmann in der Waldbühne in Kontakt kommen.

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Bakterien und Viren sind evolutionäre Begleiter des Menschen. Während unsere Entwicklungskurve jedoch bereits abwärts zeigt, geht ihre steil nach oben. Zuletzt gab es Aufregung über den Ausbruch des Hantavirus auf einem Expeditionskreuzfahrtschiff, bei dem eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung stattfand. Normalerweise erfolgt eine Hantavirus- Infektion durch den Kontakt mit den Ausscheidungen infizierter Nagetiere. Dabei können die Erreger über aufgewirbelten, kontaminierten Staub eingeatmet werden oder durch direkten Kontakt mit Kot, Urin oder Speichel infizierter Tiere oder durch Bisse übertragen werden. Dass sich auf einem Kreuzfahrtschiff mutmaßlich mehrere Menschen nacheinander anstecken, ist aus medizinischer Sicht außergewöhnlich. Oft verläuft die Infektion ohne Symptome oder leicht, bisweilen aber auch in Form eines hämorrhagischen Fiebers mit renalem Syndrom.

Experten betonen, dass Ereignisse wie dieses eher zur Sensibilisierung als zu Panik führen sollten und dass es unerlässlich sei, weiter in die internationale Überwachung, Forschung und Vorsorge zu investieren. Ein schlechtes Timing also für den Abbau vieler Arbeitsplätze bei einem Impfstoffhersteller, der sich auf die Krebsforschung konzentrieren will. Sie wollten schon immer Fragen zu unserem Gesundheitssystem und seiner Entwicklung sowie seinem Reformbedarf aus erster Hand klären? Dann gehen Sie doch zum Tag der offenen Tür der Bundesregierung, als dessen Höhepunkt ein Bühnengespräch mit Bundeskanzler Merz angekündigt ist. Ich gebe zu, die Chance, hier valide Antworten zu erhalten, schätze ich gering ein, aber ehrlicherweise etwas höher als beim amerikanischen „Antigesundheitsminister“ Robert F. Kennedy Jr., der als bekennender Impfgegner und Verschwörungstheoretiker nicht nur Roadkill-Waschbären-Penisse vor seinen Kindern seziert, sondern laut eigenen Angaben auch mit Tierchen im Hirn lebt, zum Beispiel Neurozystizerkose.

Wir müssen also mal wieder selbst ran. Was nützt der Gesundheit und dem Immunsystem, sowohl im Hinblick auf Infektionsabwehr als auch auf Zellprotektion? Genau: ein gesundes Mikrobiom! Davon profitiert übrigens auch unser Gehirn, denn die Darm-Hirn-Achse gilt als bidirektionale Kommunikationsverbindung zwischen Darm und Gehirn über den Vagusnerv, Hormone und Immunbotenstoffe. Eine gesunde Darmflora lässt sich durch den Verzehr von fermentierten Speisen fördern. Einige davon werden vielleicht auch auf dem Street Food-Festival auf dem Teufelsberg angeboten.

In diesem Sinne hier mein Rezept für Sie: Kefir, Kimchi und Co.!

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