Die Sommerferien sind vorbei
Statt im Pool zu schwimmen, bleibt nur das Geplantsche in der Badewanne. Damit es dort nicht so einsam ist, bietet es sich an, das Badeerlebnis mit einem adäquaten Begleiter zu teilen: einem Quietscheentchen. Dieses sollte nach Fortbildungszertifikats-relevanten Kongressbesuchen genauso wie eine abgelaufene Hausapotheke in jedem guten Mediziner-Haushalt zu finden sein. Je nach Fachgebiet trumpfen die operativen Fächer mit einer Ente im OP-Look auf, während die Ente der konservativen Fächer stolz ein Stethoskop trägt. Kolleg:innen, die tatsächlich noch ohne Ente sind, müssen sich eigentlich nur einem von Interesse geheucheltem Industriegespräch hingeben: Wenn Sie fünf Minuten ausgehalten haben, ist es erlaubt, nach einer mit dem Firmenlogo versehenen Ente zu fragen.
Außer der Ente sollten Sie niemanden mit in die Badewanne lassen. Seien Sie Ernie („Quietscheentchen, nur mit Dir“), nicht Herr Müller-Lüdenscheid („Die Ente bleibt draußen!“).
Vor den Wahlen steigt auch die Inzidenz des Aufflatterns von Zeitungsenten oder neudeutsch „Fake News“. Vereinzelt manifestieren sich auch medizinische Fälle solcher Enten. Auf die Problematik medizinischer Influencer:innen hat nicht nur der Präsident der Ärztekammer Berlin schon mehrfach hingewiesen. Nun hat sich eine Ente im medizinischen Kittelkleid gar als wissenstechnisch gerupftes Huhn dargestellt. Die Medfluencerin bewarb ein Heilmittel gegen eine Krankheit, die es gar nicht gibt. Ein Youtuber (wahrscheinlich im glänzend schönen Erpelkostüm) hatte die „post-viral nasal hypersensitivity“ (PVNH) samt fiktivem Pharmaunternehmen erfunden.

„Quietscheentchen, nur mit Dir“
Foto: privat
„Quietscheentchen, nur mit Dir“
Daher sollten Sie immer darauf achten, ob es sich um echte Enten oder um Plastikimitate handelt, die da im See dümpeln. Und bewerfen Sie die echten keinesfalls mit Biobrot. Wo das endet, können Sie bei einem antidepressiven Filmabend mit "About a Boy oder: Der Tag der toten Ente" sehen. Und um mal wieder die tierärztlichen Kolleg:innen zu unterstützen: Brot ist tabu für (Wasser)vögel! Es hat keinen Nährwert, quillt im Magen auf und kann zu Ileus, Mangelernährung oder dazu führen, dass die Ente mit den Füßen nach oben schwimmt. Zudem kippt durch das Brot die Wasserqualität und man erhält einen Tümpel, gegen den selbst der Washingtoner Reflecting Pool noch gut ausschaut.
Übrigens brauchen Sie vor Enten keine Angst zu haben. Wenn überhaupt, dann beißen sie mit dem Schnabel zu, was allenfalls ein Hämatom verursacht. Bitte dann als „W64.9! Unfall durch Exposition gegenüber mechanischen Kräften belebter Objekte = Tierbiss (nicht giftig)“ kodieren. Nicht zu verwechseln mit (giftigen) Katzenbissen …
Wer „Ente“ bisher medizin-terminologisch nur mit der Urinflasche assoziiert hat, dem sei ein Besuch in der Uniklinik Rostock empfohlen. Dort tauchten im August kleine bunte Entenfiguren auf. Anscheinend schwammen sie im Zuge der „Duck Duck Jeep“-Bewegung über die Ostsee in die Hansestadt ein, um Freude in den Alltag von Patient:innen und Personal zu bringen.
Ob demnächst auch eine solche Ente in der Charité oder einer anderen Berliner Klinik auftaucht? Bisher sagt die KI-Suchmaschine zum Thema „Enten in Berlin“: „Enten in Berlin kommen als Wildvögel an Gewässern, als gefeierte Spezialitäten in Restaurants sowie als Notfälle für den Tierschutz vor.“ Glücklicherweise scheint die „vegane Ente“ bezüglich der Kulinarik mittlerweile weit verbreitet zu sein. Schauen Sie sich doch lieber eine lebendige Laufente im Berliner Zoo an.
„Sei eine Laufente!“ heißt es auch beim Berlin-Marathon Ende September – und beim Festival der Riesendrachen am Tempelhofer Feld ist eventuell auch eine fliegende Quietschente zu entdecken. Neben den Vorführungen der Großdrachen gibt es interessante Informationen rund um die Drachenfliegerei und ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm. Ob beim Flugplatzfest in Gatow auch ein Entenflugzeug (Canard) dabei ist, müssen Sie selbst herausfinden. Das ist ein Flugzeug, bei dem sich das Höhenleitwerk vor den Haupttragflächen befindet, zum Beispiel der Eurofighter Typhoon oder historisch die Focke-Wulf F 19.
Wenn Sie dann von all diesen Aktivitäten verschwitzt nach Hause kommen, empfehle ich Ihnen zum Baden: eine Quietscheente!