Redaktion: Was hat Sie dazu motiviert, sich in der ärztlichen Selbstverwaltung zu engagieren?
Kahina Toutaoui: Ich bin über das Engagement in meiner Fachgesellschaft und in meinem Berufsverband in die ärztliche Selbstverwaltung gekommen. Ich wollte ganz konkret Dinge in meiner Weiterbildung verbessern und an einer besseren Zukunft meiner Berufsgruppe mitwirken. Mittlerweile verstehe ich, dass wir für strukturelle Veränderungen auch in den Gremien der Selbstverwaltung aktiv werden müssen. Dafür habe ich niedrigschwellig angefangen, mich für die hausärztliche Liste in zwei Gremien der Ärztekammer einzubringen.
Wie haben Sie den Einstieg erlebt?
Ich habe zum Glück Vorerfahrungen mit politischer Arbeit über Fachschaftsarbeit im Studium und das Engagement in meinem Berufsverband. Ansonsten finde ich die Einstiegshilfe ausbaufähig: Wofür ist das Gremium konkret da? Wie organisiert sich das Gremium? Welche Einflussmöglichkeiten gibt es? Welche Arten von Beschlüssen werden wo gefasst? Was ist meine Rolle als Ehrenamtliche? Wie laufen Rücksprachen mit den Listen? Das würde ich mir mindestens für den Einstieg wünschen.
Gab es Momente, in denen Sie am Einfluss Ihrer Arbeit gezweifelt haben, warum machen Sie trotzdem weiter?
Das tue ich regelmäßig! Denn viele Probleme brauchen echte Systemveränderungen, die nur schwer zu erreichen sind. Ich motiviere mich mit den Dingen, die ich im Kleinen und niedrigschwellig ändern kann. Denn die geben mir Kraft und Motivation für den langen Atem, den wir für die großen Änderungen brauchen. Außerdem gibt es ganz tolle Menschen, mit denen ich mich engagieren darf – so macht das Engagement noch einmal deutlich mehr Spaß!
Wo sehen Sie Reformbedarf, damit die Selbstverwaltung attraktiver für junge Kolleg:innen wird?
1. Niedrigschwellige Formate der Mitbeteiligung schaffen, beispielsweise Diskussionsrunden. 2. Flexible Beteiligungsmöglichkeiten anbieten, etwa Online- bzw. Hybridteilnahmen oder die Möglichkeit, das Engagement in herausfordernden Lebensphasen zu pausieren und zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzusteigen. 3. Die Perspektiven junger Ärzt:innen wertschätzen und aktiv einfordern – inklusive Hinterfragen von vermeintlich „etablierten“ Strukturen und Abläufen. 4. Es muss spürbare Konsequenzen bei schlechten Weiterbildungsbedingungen geben und deutlich mehr Unterstützung für eine tatsächlich gute Weiterbildung.
Wie müsste die Selbstverwaltung in zehn Jahren aussehen, damit junge Ärzt:innen diese als selbstverständlichen Teil ihres Berufslebens begreifen?
In zehn Jahren werde ich selbst nicht mehr zu den jungen Ärzt:innen gehören – insofern denke ich, dass die heutigen Studierenden hier mit ins Boot geholt werden müssen. Aus meiner Perspektive wird die Vereinbarkeit von Engagement, Beruf und sonstigem Leben auch in zehn Jahren noch ein Thema sein. Es sollte selbstverständlich sein, dass ein Teil der Ärzt:innenschaft sich aktiv in der Selbstverwaltung einbringt und hierfür freigestellt wird. Für den anderen Teil sollte es selbstverständlich sein, sich regelmäßig an ihre Vertreter:innen in der Selbstverwaltung zu wenden und ihr Wahlrecht aktiv auszuüben.
