Redaktion: Was hat Sie dazu motiviert, sich in der ärztlichen Selbstverwaltung zu engagieren?
Dr. med. Katharina Thiede: Ich war schon im Medizinstudium in der Bundesvertretung der Medizinstudierenden zu Fragen der medizinischen Ausbildung und in den Fakultätsgremien sehr aktiv. Für mich war es daher nur folgerichtig, dieses Engagement dann in der ärztlichen Selbstverwaltung fortzusetzen.
Wie haben Sie den Einstieg erlebt?
Ich hatte das Glück, in meiner Liste der FrAktion Gesundheit sehr offen aufgenommen worden zu sein. Dazu gehörte auch, dass mir erfahrene Kolleg:innen Strukturen und Abläufe erklärt haben.
Welche positiven Erfahrungen oder Erfolge haben Sie bisher gemacht?
Erfolge gibt es immer wieder im Kleinen, im Aushandeln von Inhalten und Prozessen. Die positiven Erfahrungen generieren sich aber vor allem aus dem Miteinander. Sowohl Weiterbildungsbedingungen als auch Rahmenbedingungen ärztlichen Arbeitens oder Strukturen und Finanzierung des Gesundheitswesens haben mich immer wieder ganz schön frustriert. Und da hilft der Austausch und die gemeinsame Positionierung mit Kolleg:innen sehr. Diese Zusammenarbeit macht wirklich Spaß, manchmal findet man geradezu in den Flow.
Gab es Momente, in denen Sie am Einfluss Ihrer Arbeit gezweifelt haben, warum machen Sie trotzdem weiter?
Selbstverständlich und richtig oft. Aber ärztliche Selbstverwaltung ist ein großes Glück und aus meiner Sicht unbedingt bewahrenswert. Ich möchte nicht, dass Nicht-Ärzt:innen diese Aufgaben für uns übernehmen. Und wenn wir uns auch in Zukunft selbst organisieren wollen, dann müssen wir mitmachen.
Wo sehen Sie Reformbedarf, damit die Selbstverwaltung attraktiver für junge Kolleg:innen wird?
Ich denke, es braucht mehr Gelegenheiten, bei denen man tatsächlich inhaltlich zu Themen arbeiten kann. Das bedeutet, dass wir Gremienstrukturen brauchen, in denen junge Kolleg:innen niederschwellig mitarbeiten können und in denen es eine gute Mischung aus neu und erfahren gibt. Und wir müssen in unseren Gremien auch die Themen behandeln, die uns allen auf den Nägeln brennen. Selbstverwaltung darf eben nicht Selbstbeschäftigung sein.
Wie kann die Arbeit in Gremien besser mit dem ärztlichen Alltag vereinbar sein?
Da wo es geht, muss Gremienarbeit digital stattfinden. Wir brauchen ein verlässliches Zeitmanagement. Wir sollten über Modelle nachdenken, in denen Mitglieder auf Zeit kooptiert werden, um so Einblicke gewinnen zu können, ohne sich für eine ganze Legislaturperiode zu verpflichten. Und wir sollten regelmäßig nachbesetzen, wo es möglich ist.
Wie müsste die Selbstverwaltung in zehn Jahren aussehen, damit junge Ärzt:innen diese als selbstverständlichen Teil ihres Berufslebens begreifen?
Wenn wir als Selbstverwaltung eine klare und laute Stimme sind, die die Belange und Bedürfnisse von Patient:innen, Versorgungsstrukturen und Ärzt:innen zusammenbringt, und uns engagiert für die ärztliche Weiterbildung einsetzen, dann spüren junge Ärzt:innen, dass ärztliche Selbstverwaltung „Sinn macht“ – und sind hoffentlich selbst auch dabei.
