„Der Mai ist gekommen“
Endlich ist es Mai! Also fast Sommer! Das ist auch bitter nötig! Ich bin mir sicher, dass wir uns alle nach Sonne, Wärme und Entspannung sehnen! Wir möchten den Frühling riechen, die Sonnenstrahlen auf unserer Haut spüren, endlich wieder eine schöne Sonnenbrille tragen und unseren winterlichen Blues loswerden.
„Der Mai ist gekommen“ ist der Titel eines wanderbaren, marschartigen Volksliedes, das sich bestens für erste Ausflüge ins Grüne eignet. Älteren Menschen kommt dabei vielleicht auch „Veronika, der Lenz ist da“ in den Sinn. Solche Lieder sind vor allem für Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, heilsam. Denn Musik wird in anderen Hirnarealen als Sprache verarbeitet, sodass viele Betroffene zwar nicht mehr sprechen, aber singen können. Und Singen wiederum verbessert das Sprachvermögen. Im Gehirn bilden sich neue Nervenverbindungen und Synapsenverschaltungen.
Diese Schaltstellen spielen auch bei einem neuen Therapieansatz für Glioblastome eine Rolle: Ein Heidelberger Neurologe hat herausgefunden, dass Glioblastome gesunde Nervenzellen über synaptische Verbindungen anzapfen und so „Strom abgreifen“, den sie zum Wachstum benutzen. Über den Transmitter Glutamat könnten möglicherweise die gleichen Medikamente, die auch bei Epilepsie angewendet werden, gegen das Tumorwachstum wirksam sein.
Rohrkrepierer der modernen Therapie
Doch nicht nur die Tumorzellen des Glioblastoms, sondern auch andere Krebszellen können offenbar Nerven kapern und über Rückkopplungen das Immunsystem in die Irre führen. Dieser „Crosstalk“ zwischen Krebs- und Nervenzellen rückt zunehmend in den Fokus von Forschern, die versuchen, diese Vielzahl von Wechselwirkungen therapeutisch zu nutzen.
Eine Übersichtsstudie hat allerdings ergeben, dass medizinischer Cannabis sich in der modernen Therapie psychischer Erkrankungen als Rohrkrepierer erwiesen hat. Einen belegbaren Nutzen bei Angststörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen oder Depressionen konnten Forscher nicht feststellen.
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Um ihr Nervenkostüm anderweitig zu stärken und vielleicht dabei ein bisschen zur Neubildung von Synapsenverbindungen zu singen, empfehle ich Ihnen sowohl den Karneval der Kulturen als auch diverse Events im Rahmen der Staatsoper für alle. Vor allem bei der Opernübertragung von Verdis „Nabucco” auf dem Bebelplatz bietet sich der Gassenhauer „Va pensiero” des Gefangenenchores zum Mitgrölen an.
Da der Mai als Höhepunkt des Frühlings gilt, erlauben hoffentlich steigende Temperaturen diese Aktivität im Freien! In der Oper stehen das Schicksal zweier Völker und Kulturen sowie die Überheblichkeit eines Herrschers im Mittelpunkt. Wem das zu aktuell ist und wer seinen Mitmenschen keinen Gesang zumuten möchte, könnte das Berliner Theatertreffen besuchen. Hier sind wahrscheinlich keinerlei Gesangseinlagen gefragt. Obwohl … vielleicht gilt auch ein gesungenes „Buuuh” als Musik. Wer zur Musik auch Bewegung sucht, könnte zum Tanz in den Mai gehen. Dabei sollte man allerdings darauf achten, nicht in den üblichen Kreuzberger Ausnahmezustand des 1. Mai zu geraten.
Blumengeschäfte und Notaufnahmen
Nicht vergessen werden dürfen natürlich der Muttertag am 10. Mai und der Vatertag am 14. Mai, die diesmal eng aufeinander folgen. Der Muttertag ist eine amerikanische Erfindung und wurde 1923 erstmals in Deutschland eingeführt – auf Initiative der Blumengeschäfte. Auch der Vatertag stammt aus den USA und wurde drei Jahre später eingeführt. Hierzulande haben deutsche Männer ihn im Rahmen der Industrialisierung zum zügellosen Herrentag umgedeutet. Der damit einhergehende Alkoholkonsum führt nicht nur in den Notaufnahmen zu Chaos und Disruption (Betrunkene ohne Verletzung = internistisch, rechte Seite vom Gang – Betrunkene mit Verletzung, unfallchirurgisch, linke Seite vom Gang …), sondern macht den beim Feiern stattgefundenen Gesang synapsentechnisch auch zunichte, da mit einem Überwiegen neurotoxischer Wirkungen zu rechnen ist.
Da die Eisheiligen dieses Jahr genau den Vatertag umschließen, könnte eine kühle Witterung neuroprotektiv wirken – sozusagen eine therapeutische Hypothermie –, um den Sauerstoffbedarf des Gehirns zu senken und das neurologische Ergebnis des Rausches zu verbessern. Apropos Rausch: Hierzu ist der gleichnamige Film mit Mads Mikkelsen empfehlenswert. Danach verzichten Sie sicher gerne auf Alkohol. Dies ist auch förderlich für die Geschmacksknospen, die sich im Mai an frischem Spargel, Rhabarber und Waldmeister erfreuen können – sofern Sie letzteren nicht als Berliner Weiße zu sich nehmen möchten.
Zum Schluss noch ein Tipp für die übrigen Sinnesorgane: Riechen Sie an Maiglöckchen, erfreuen Sie Ihre Augen an prächtigen Pfingstrosen und trainieren Sie Ihre Feinmotorik bei der Aussaat von Radieschen und Tomaten.
In diesem Sinne mein Rezept für Sie: Starke Nerven!