Der Apfel und sein ärztefeindlicher Charakter
„An apple a day keeps the doctor away“, sagt ein Sprichwort. Die ursprüngliche Form stammt aus der Grafschaft Pembrokeshire im Südwesten von Wales und lautet: „Iss einen Apfel, bevor du ins Bett gehst, und du wirst deinen Arzt um seinen Broterwerb bringen.“ – Wahrscheinlich wurde sie von schon damals frustrierten NHS-Patienten erfunden, die zehn Jahre auf ihre Hüftendoprothese warten mussten, während die geneigten Orthopäd:innen Golf spielten.
Doch bleiben wir beim Apfel und seinem ärztefeindlichen Charakter: Er enthält die Vitamine C, E und B sowie Mineralstoffe wie Kalium und Ballaststoffe wie Pektin. Ihm werden Eigenschaften als kalorienarmer Snack, Förderer der Verdauung, Stärker des Immunsystems und durch Antioxidantien auch als Jungbrunnen und Entzündungshemmer zugeschrieben. Um seine Wirkung zu entfalten, muss so ein Apfel jedoch auch verzehrt werden. Dies scheint für einen Großteil der Bevölkerung eine uncoole oder unerfüllbare Zumutung zu sein, denn der Markt für Vitamine in Pillenform und andere Nahrungsergänzungsmittel boomt. Der geschätzte Umsatz wird für das Jahr 2026 auf über zwei Milliarden Euro prognostiziert.
Supplement-Verfechter – und das sind beim Blick in die sozialen Medien sehr viele – führen stets an, dass Obst und Gemüse aus Massenproduktion aufgrund ausgelaugter Böden keine Nährstoffe mehr enthalten, die Winter in Europa immer länger und dunkler werden und sowieso niemand Zeit hat, sich so zu ernähren, dass es zu keinen Mängeln kommt. Dagegen zeigen Studien, dass eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung an der frischen Luft ausreichen.
Also raus in den Berliner Frühling! Um Vitamin D zu tanken und einen Dopamineinschuss gegen die Winterdepression zu erhalten, eignen sich ein Besuch der Britzer Baumblüte, des Berliner Frühlingsfestes, des Tulpenfestes in Potsdam und natürlich der Kirschblüte. Auch Kirschen sind schließlich sehr gesund, kalorienarm und wie Äpfel voller Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien. Angeblich enthalten sie Melatonin, welches den Schlaf fördert, sowie Stoffe, die Muskelschmerzen lindern.
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Fake News
Es ist verwunderlich, dass bei sonstigen ärztlichen Empfehlungen zu Impfungen, Cholesterinsenkern, Blutdruckmitteln und anderen von deren Gegnern stets „Big Pharma“ und rein monetäre medizinische Interessen ins Feld geführt werden – bei den durchaus teuren und bisweilen exklusiv vermarkteten Supplementen fallen das Abraten und Hinweise zu deren Wirkungslosigkeit allerdings unter die Kategorie „Fake News“. Viele Studien zeigen jedoch, dass Nahrungsergänzungsmittel die Gesundheit nicht verbessern, das Leben nicht verlängern und manchmal sogar schaden. Doch die Hoffnung auf magische Pillen mit Heilsversprechen ohne Anstrengung siegt – obwohl es sich dabei oft nur um Geldverschwendung handelt, die einzig teuren Urin produziert.
Natürlich gibt es Ausnahmen für Schwangere, Säuglinge und Veganer. Diskutiert wird auch, wie es denn nun mit dem im Internet als Allheilmittel gegen Müdigkeit, Leistungsdefizite und schlechte Laune gepriesenen Vitamin D wirklich aussieht – selbst in der ärztlichen Zunft ist dies ein Thema kontroverser Diskussionen. Für Kinder und Jugendliche, die sich heutzutage viel weniger draußen und in der Sonne aufhalten als vielmehr vor ihren Endgeräten, gibt es durchaus Tendenzen, die bisherigen Empfehlungen anzupassen.
Vielleicht locken Sie Ihren Nachwuchs mit folgender Veranstaltung aus den pubertär-muffigen Jugendzimmern: Im April findet in Berlin die Internationale Cannabis Business Conference statt. Dort sollen sich Experten aus Medizin, Wirtschaft, Politik und Recht treffen, um Grundsteine für die verantwortungsvolle Beziehung zwischen Branche, Politik und Verbrauchern zu legen.
Vitamine für die Ohren
Wenn Ihre Kinder dort eine neue berufliche Perspektive für sich entdecken sollten – statt Fitness-Influencer vielleicht „Triple C“ (Cannabis Content Creator) –, können Sie zur Beruhigung Ihrer strapazierten Nerven – sofern Sie keine Vitamin-B-Komplex-Ampullen schlürfen wollen – die Festtage der Berliner Staatsoper besuchen. Hier gibt es Vitamine für die Ohren in Form von Verdi, Strauss und Brahms.
Wenn Ihnen von dieser, diesmal zugegebenermaßen etwas passiv-aggressiveren Glosse, nun die Ohren klingeln und Sie nach Ruhe und Reduktion streben, wie wäre es in den allerletzten Tagen der Fastenzeit vor Ostern mit einer buchstäblichen Fastenerfahrung? Dem Fasten wird die Förderung der Autophagie – Zellreinigung – zugeschrieben, was zu einer verbesserten Insulinsensitivität, Entzündungshemmung, Reversibilität einer Fettleber und nebenbefundlichen Gewichtsabnahme führt. Zudem steigert das Fasten das körperliche und geistige Wohlbefinden durch die Ausschüttung von Glückshormonen. Und das Beste: Traditionell wird das Fasten mit dem langsamen, genussvollen Verzehr eines geschnetzelten Apfels unter achtsamem Einbezug aller Sinne gebrochen.
Frisches Obst finden Sie auf allen Berliner Wochenmärkten und im Hofladen der Domäne Dahlem. Doch frei nach einem ehemaligen Fußball-Nationalspieler: „Ob Äpfel oder Kirschen, Hauptsache Gemüse“ steht auf meinem heutigen Rezept für Sie: Frisches Obst!