Berliner Teilnehmerinnen am Dialogforum: Alexandra Archodoulakis

Alexandra Archodoulakis ist Jahrgang 1998, engagiert sich seit etwa zwei Jahren für den Marburger Bund und ist insgesamt seit rund vier Jahren berufspolitisch aktiv.

Alexandra Archodoulakis
Interview mit
Alexandra Archodoulakis

Ärztin

Foto: Ole Eggert / Ärztekammer Berlin

Redaktion: Was hat Sie dazu motiviert, sich in der ärztlichen Selbstverwaltung zu engagieren?

Alexandra Archodoulakis: Es gibt immer Dinge, die von der „jüngeren“ Generationinfrage gestellt werden bzw. zu Unzufriedenheit führen. Bis zu einem gewissen Grad ist dies verständlich und dem Generationswechsel geschuldet. Mir war es wichtig, die Aspekte, mit denen ich eher unzufrieden war, zu verändern und den Austausch mit anderen über Unzufriedenheiten in diesen Veränderungsprozess einfließen zu lassen.

Wie haben Sie den Einstieg erlebt?

Die Schwierigkeit beim Einstieg in die Selbstverwaltung liegt vor allem im Informationsmangel bzw. darin, dass die Strukturen nur schwer durchschaut werden können. Die Informationsveranstaltungen zu den verschiedenen Körperschaften helfen, dies einfacher zu machen. Zudem ist es natürlich hilfreich, wenn jede und jeder, die oder der sich engagiert, niederschwellig ansprechbar ist – zum Beispiel beim Sommerfest der Ärztekammer Berlin oder ähnlichen Formaten – oder im Arbeitsalltag. So bin ich in die Kammerarbeit eingestiegen – durch die Bereitschaft der aktuellen Amtsinhaber:innen, mich mitzunehmen und meine Fragen zu beantworten. Zu merken, dass das Einbringen in die Selbstverwaltung auch einen Effekt hat, hat mich letztlich dazu bewegt, mich weiter zu engagieren.

Welche positiven Erfahrungen oder Erfolge haben Sie bisher gemacht?

Mein ursprünglicher berufspolitischer Hintergrund bezüglich der ärztlichen Selbstverwaltung stammt vor allem aus dem europäischen Umfeld. Die akuten Entscheidungen auf Landesebene müssen jedoch durch die Landesärztekammer erzielt werden. Besonders wichtig ist dabei die Signalwirkung unserer Entscheidungen. Ein Beispiel hierfür ist die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, ein Thema, das in der Gesellschaft stark diskutiert wird und wurde und eben auch die Ärzt:innenschaft als direkt betroffene Berufsgruppe stark beschäftigt hat. Es war klar, dass auch die Politik stark auf den Deutschen Ärztetag als Institution schaut, um sich eine Meinung zu bilden. Gerade als so bunt durchmischte Gruppe aus verschiedenen Hintergründen, Fachabteilungen und Ausbildungsständen hat die Entscheidung des letztjährigen Deutschen Ärztetages, sich für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs auszusprechen, ein starkes Signal gesetzt.

Gab es Momente, in denen Sie am Einfluss Ihrer Arbeit gezweifelt haben, warum machen Sie trotzdem weiter?

Solche Momente gibt es im Laufe eines Engagements vermutlich immer wieder. Es gab definitiv Punkte, an denen solche Zweifel aufkamen. Der Zuspruch meines direkten Arbeitsumfelds und der Kolleg:innen in der Berufspolitik hat mir dabei geholfen. Der Weg zur Veränderung ist oft nicht linear, aber in der ärztlichen Selbstverwaltung ist er vor allem eines: demokratisch. Wenn Anträge abgelehnt werden, dann geschieht dies im demokratischen Verfahren nach Diskussion. Diese Diskussionen können mitunter ermüdend sein, vor allem als Ehrenamt neben einer Vollzeitstelle. Der demokratische Prozess funktioniert jedoch nur, wenn sich genügend Menschen mit verschiedenen Hintergründen engagieren, um eine heterogene Gruppe zu bilden und zu diskutieren. Genau da sehe ich unsere Verantwortung: in der ärztlichen Selbstverwaltung für Repräsentativität zu sorgen. Dies kann durch Eigenbeteiligung oder durch die Wahl repräsentativer Körperschaften erfolgen.

Wo sehen Sie Reformbedarf, damit die Selbstverwaltung attraktiver für junge Kolleg:innen wird?

Persönlich bin ich der Meinung, dass wir mitten in der Reform sind. Immer mehr Kammern binden junge Kolleg:innen ein, zeigen ihnen Wertschätzung für ihr Engagement und bieten ihnen Möglichkeiten, sich auf unterschiedlichen Ebenen einzubringen. In den Landesärztekammern werden Foren und Gremien für junge Kolleg:innen gebildet und, vielleicht noch wichtiger, man versucht viel intensiver als früher, junge Kolleg:innen auch in den Parlamenten und in den Entscheidungsgremien zu positionieren. Einem Beschluss folgend, setzt die Ärztekammer Berlin zum Beispiel seit Jahren alle Gremien generationsübergreifend zusammen und beruft daher gerade junge Kolleg:innen neu in alle entsprechenden Ausschüsse. Die Wirkung merkt man direkt. Junge Kolleg:innen erfahren, dass sie nicht nur gehört werden, sondern auch in Verantwortung kommen, um konkret Entscheidungen mitzubestimmen. Diesen Prozess sehe ich in vielen Landesärztekammern.  

Wie kann die Arbeit in Gremien besser mit dem ärztlichen Alltag vereinbar sein?

Wichtig ist aus meiner Sicht, die Teilnahme an Sitzungen so einfach wie möglich zu gestalten. Hier haben wir durch Onlineformate natürlich ganz andere Voraussetzungen als noch vor zehn Jahren. Ein konsequentes Anbieten dieser Formate sollte daher keine Ausnahme, sondern eine Selbstverständlichkeit sein. Das schafft einen niedrigschwelligen Zugang zu Sitzungen und baut örtliche und zeitliche Hürden ab.  

Wie müsste die Selbstverwaltung in zehn Jahren aussehen, damit junge Ärzt:innen diese als selbstverständlichen Teil ihres Berufslebens begreifen?

Meiner Auffassung nach sind wir bereits auf dem richtigen Weg. Die Vereinbarkeit mit dem Berufsalltag wird beispielsweise dadurch gefördert, dass Veranstaltungen weit im Voraus bekannt gegeben werden, sodass diese mit dem Dienstplan Monate im Voraus vereinbar sind. Ebenso wichtig ist die Implementierung von Hybridprogrammen und, dass die engagierten Menschen aus der jüngeren Ärzt:innenschaft gesehen werden – sowohl als Zeichen für die jungen Ärzt:innen, dass es Möglichkeiten gibt, als auch für die Arbeitgeber:innen, dass dies ein normaler Weg der nebenberuflichen Tätigkeit ist.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Wir freuen uns über Ihr Feedback!

Ja
Nein

Vielen Dank!

Zur Ärztekammer Berlin