Neue Mpox-Kampagne des Lageso

Seit Jahresbeginn werden in Berlin vermehrt Mpox-Infektionen beobachtet. Bis Ende April wurden 99 Fälle an das Lageso übermittelt, deutlich mehr als in den Vorjahren (2025: 79; 2024: 21; 2023: 10). Seit Februar 2026 breitet sich in der Hauptstadt zudem verstärkt die Klade Ib aus, die Anfang des Jahres erstmals bei autochthonen Infektionen in Berlin nachgewiesen wurde.

Abbildung: An das Lageso übermittelte Mpox-Fälle seit der 45. Meldewoche 2025 bis zur 17. Meldewoche, stratifiziert nach diagnostizierter Klade (orange: Klade Ib, grün: Klade 2b, grau: keine Information zur Kladenzugehörigkeit.

Anstieg der übermittelten Mpox-Fälle

Detaillierte Informationen zu dieser Entwicklung sind in einem kürzlich in Eurosurveillance veröffentlichten Beitrag zusammengefasst. In Berlin sind bislang hauptsächlich Männer im medianen Alter von 34 Jahren von den Infektionen betroffen. Allerdings ist inzwischen auch ein Mpox-Fall bei einer Frau mit häufig wechselnden, anonymen Sexualkontakten aufgetreten.

Fast alle betroffenen Personen haben sich in Berlin angesteckt. Für den überwiegenden Anteil (73 Prozent) sind sexuelle Kontakte zu Männern die wahrscheinliche Infektionsquelle. Insgesamt sieben Personen mussten im Rahmen der Mpox-Infektion stationär im Krankenhaus behandelt werden. Mögliche Unterschiede zwischen den in Berlin zirkulierenden Klades Ib und IIb hinsichtlich der Krankheitsschwere sowie der Übertragungswahrscheinlichkeit auf Haushaltskontakte werden aktuell durch das Lageso untersucht. 

Auch das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) berichtet von einem Anstieg der übermittelten Mpox-Fälle, wobei die Fallzahl der monatlich aus den Ländern der EU/EEA-Zone übermittelten Klade-Ib-Fälle in den vergangenen Monaten deutlich angestiegen ist. Aus verschiedenen Ländern wurden Fälle unter Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), berichtet, die einen direkten oder indirekten Bezug zu Reisen nach Deutschland (Berlin) haben. Daher wird von einer anhaltenden lokalen Übertragung des Monkeypox-Virus (MPXV) in sexuellen Netzwerken schwuler und bisexueller Männer beziehungsweise anderer Männer, die Sex mit Männern haben, ausgegangen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Personen mit einem erhöhten Expositionsrisiko eine Impfung mit dem verfügbaren Impfstoff (Imvanex®) gegen Mpox. Diese Empfehlung gilt unabhängig vom Geschlecht, richtet sich aufgrund der bisherigen epidemiologischen Lage aber insbesondere an Männer sowie trans- und nicht-binäre Personen, die Sex mit Männern haben und dabei häufig die Partner wechseln, sowie an Sexarbeitende.

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Impfungen schützen Risikogruppen

Nach dem großen Mpox-Ausbruch im Jahr 2022 sowie in den darauffolgenden Jahren wurden wiederholt größere Informationskampagnen vom Lageso und anderen Organisationen, darunter die Deutsche Aidshilfe (DAH) und die Schwulenberatung Berlin, durchgeführt. Dadurch ist die bisherige Risikopopulation, also MSM mit wechselnden Sexualpartnern, vermutlich gut informiert. Dennoch bestehen auch hier weiterhin Impflücken, die zum anhaltenden Infektionsgeschehen beitragen. 

Zudem zeichnet sich Berlin durch eine große, sexpositive Szene aus, in der sexuelle Netzwerke nicht nur MSM, sondern auch heterosexuelle Frauen sowie Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, Nichtbinäre, Trans- und Agender-Personen (FLINTA) beinhalten. Sexpositive Veranstaltungen richten sich häufig nicht mehr explizit an definierte (queere) Zielgruppen, sondern werden bewusst offen und inklusiv gestaltet. Den Frauen bzw. FLINTA ist jedoch aufgrund der bisherigen engen Zielgruppenkommunikation weder das Risiko einer Mpox-Infektion bekannt, noch die Tatsache, dass die Erweiterung der STIKO-Indikationsimpfung auf Personen mit einem erhöhten Expositionsrisiko auch auf sie anwendbar ist und sie sich präventiv impfen lassen können. 

Das Lageso bereitet aktuell eine neue Informationskampagne zur Mpox-Impfung vor, die sich neben MSM auch übergreifend an alle sexpositiven Bereiche Berlins richtet, unabhängig vom Geschlecht. Das Ziel besteht darin, diese Zielgruppe kanalisiert zu erreichen, um einen ungezielten Andrang von Personen ohne Indikation auf die Berliner Ärzt:innen zu vermeiden.

Informationskampagne des Lageso

Ausweitung der Indikation

Sollten sich FLINTA-Personen oder andere Personen, die nicht dem streng definierten Begriff „MSM” entsprechen, mit dem Wunsch einer Mpox-Impfung bei Hausärzt:innen oder Ärzt:innen der HIV-Schwerpunktversorgung vorstellen, ist dies zu berücksichtigen.

Nach entsprechender Anamnese des Risikoprofils wäre es wichtig, auch diesen Personen eine Impfung anzubieten, sofern sie häufig wechselnde, anonyme Sexualkontakte haben, etwa bei Besuchen von Sexpartys oder -clubs. 

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